Der Kurzfilm „HerStory“ wurde beim deutschsprachigen, international ausgerichteten Jugendfilmfestival „AUFBLENDE 2026“ gezeigt. Im Rahmen des Festivals wurde der Film zudem mit einem Geldpreis des Bayerischen Philologenverbands ausgezeichnet.
Der Film „HerStory“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die Opfer einer Vergewaltigung wird. Die Polizei weigert sich, die Verantwortung des Täters anzuerkennen und lässt sie ohne Unterstützung zurück. Im Verlauf der Handlung durchläuft das Opfer verschiedene Phasen, darunter auch eine Depression, die in vielerlei Hinsicht den Phasen der Trauer entspricht. Schließlich gelingt es ihr – ohne die Unterstützung der zuständigen Institutionen – ihre innere Stärke wiederzufinden.
„Ein unglaublich kraftvoller Film über ein äußerst sensibles Thema von höchster gesellschaftlicher Bedeutung. Innerhalb des begrenzten Zeitrahmens eines Kurzfilms ist es euch gelungen, eine vielschichtige und differenzierte Perspektive auf dieses Thema darzustellen und es sowohl auf sozialer als auch auf psychologischer Ebene zu beleuchten.“
„Besonders bemerkenswert ist, dass trotz der kurzen Dauer des Films eine große emotionale Bandbreite erreicht wird und die inneren psychischen Prozesse sowie die existenzielle Auseinandersetzung der Protagonistin eindrucksvoll dargestellt werden.“
„Wir danken euch, dass ihr uns geehrt habt und die Premiere eures Films auf unserem Festival gefeiert habt. Wir wünschen euch viel Erfolg und alles Gute für den weiteren Weg eures Films“, erklärte die bayerische Jury.
Es folgt ein Auszug aus unserem Interview im Rahmen des Festivals (Videokonferenz):
Moderatorin:
„Wie genau ist der Film entstanden? Was war die Inspiration? Und wie habt ihr es geschafft, innerhalb nur eines Tages einen so starken Film zu produzieren? Es ist sicherlich nicht einfach, mit einem solchen Thema zu arbeiten…“
Stergios:
„Wir wussten bereits Monate vorher, dass wir an diesem Tag an einem Projekt arbeiten würden und dass die Zeit sehr begrenzt sein würde. Der Anlass für den Kurzfilm war ein Ereignis, das sich in Griechenland ereignet hat: der Tod von Kyriaki Griva, einer Frau, der die griechischen Behörden eine sichere Heimfahrt verweigerten, obwohl sie Angst vor ihrem ehemaligen Partner hatte, der dort auf sie wartete. Der Satz ‚Das Polizeiauto ist kein Taxi‘ sowie die Haltung der Behörden gegenüber der Frau trugen zu dem tragischen Ausgang bei – sie wurde ermordet, als sie dort ankam.
Femizide sind leider ein dauerhaftes gesellschaftliches Problem, dessen Wurzeln in einem patriarchal geprägten sozialen System liegen. Solange wir nicht darüber sprechen, nicht sensibilisieren und diese harte Realität nicht sichtbar machen, setzt sich der Kreislauf geschlechtsspezifischer Gewalt fort. Zwar sind in den letzten Jahren Fortschritte zu beobachten, doch Fälle wie dieser erinnern uns daran, wie aktuell und dauerhaft dieses Problem bleibt.
Durch die Anpassung des Trauermodells der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross war es unser Ziel, die inneren Phasen darzustellen, die ein Opfer durchlebt, und zu zeigen, wie schwierig es ist, diese zu bewältigen.“
Moderatorin:
„Es ist zweifellos schwierig, diese inneren Prozesse und Phasen, die die Protagonistin erlebt, filmisch darzustellen. Wie habt ihr dieses Ergebnis erreicht? Habt ihr mit jemandem gesprochen, der eine solche Erfahrung gemacht hat?“
Stergios:
„Wir sind vor allem durch Dokumentationen mit ähnlichen Fällen in Berührung gekommen, die wir insbesondere im Rahmen des Neugriechisch-Unterrichts an unserer Schule gesehen haben. Tatsächlich erfordert es sehr viel Sensibilität und Verantwortung, sich solchen Themen zu nähern.“
Marilena:
„Auch für mich war es sehr anspruchsvoll, mich in diese Rolle hineinzuversetzen. Es ist ein schwieriges Thema, zu dem ich – glücklicherweise – keine persönliche Erfahrung habe. Ich habe so etwas selbst nie erlebt. Der Prozess basierte auf unserer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema im Unterricht, wie Stergios bereits erwähnt hat, sowie auf weiterer Recherche und dem Sammeln von Ideen und Gedanken.“
Die bayerische Jury erklärte:
„Für die sensible und zugleich klare filmische Umsetzung dieses schwierigen Themas erhält die Filmgruppe der Deutschen Schule Thessaloniki den Preis des Bayerischen Philologenverbands.“
Mitwirkende:
Marilena Semertzidou, Anna Golitsi, Grigoris Terzoglou, Dimitra Kadoglou.
Wir danken Frau Dimitra Kadoglou für ihre Unterstützung und ihren Beitrag zur Organisation sowie für die Bereitstellung ihrer Räumlichkeiten, Michalis Giagounidis für seine Regiehinweise und Dr. Ioanna-Zoi Delivoria für ihre Beratung beim Drehbuch.
Drehbuch, Regie, Kamera & Schnitt:
Stergios Kokkinogoulis